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Nadelöhre im Blickfeld für neue Lösungen

Bürgermeister
Heiko Müller

Baukräne im Wettstreit

Stand: Juni 2017

Ein ungewohntes Bild: In Falkensees City drehen sich die Baukräne um die Wette. Sie strecken ihre Hälse in Sichtweite vom Bahnhof so ambitioniert zum Horizont, dass mancher sich ungläubig die Augen reibt: Solche Bilder kannte man doch bisher aus Berlins expandierender Mitte!

Bürgermeister Heiko Müller ist sichtlich stolz auf diese Entwicklung. Ihm ist es seit Jahren ein großes Anliegen, dass in der einst künstlich zusammengefügten Stadt ein lebendiges Zentrum entsteht.

Zentrum boomt
„Wir haben mit Bahnhofsumfeld, Campus und Stadthalle den Anfang gemacht. Die Hoffnung, dass dies einen Initialeffekt auf private Investoren hat, erfüllt sich jetzt“, strahlt Heiko Müller. Gleich an vier eng zentralen Stellen entstehen gerade gut 170 Wohnungen sowie endlich weitere Räume für Geschäfte und Praxen. „Mittlerweile haben wir das Eckhaus an der Kreuzung Bahnhof-/Poststraße kaufen können. Mit diesem Grundstück entstand die Möglichkeit, an diesem Verkehrs­knotenpunkt zur Poststraße einen Kreisverkehr zu schaffen. Von hier aus ist außerdem eine Anbindung an die Akazienstraße geplant. Damit würde eine Entlastung der Bahnhofstraße möglich werden“, erläutert der Bürger­meister. Ihm ist klar, dass mehr Leben in der Innenstadt mehr Verkehr bedeutet.

Bäume als Bremse?
„Die Bahnhofstraße wurde, wie andere Trassen ebenfalls, im damaligen Dorf Seegefeld zu eng angelegt. Sie wurde nach der Wende neu gebaut. Um die Bäume erhalten zu können, wurden viele Kompromisse gemacht“, informiert der Bürgermeister. „Eigentlich ist es für alle zu eng: Fußgänger, Fahrräder und Autos bräuchten mehr Platz“, gibt er weiteren Einblick in ein Problem, das in der Stadt oft ähnlich anzutreffen ist. Neben dem Bürgermeister ist damit vor allem Baudezernent Thomas Zylla beschäftigt. Trotz anderem Parteibuch, Heiko Müller ist SPD-Bürgermeister und Thomas Zylla in der CDU, war es dem Bürgermeister ein großes Anliegen, den umgänglichen Fachmann auf dem Posten zu halten.

Neue Stadt-Spitze
„Seine Amtszeit lief ja dieses Jahr aus. Es ging also um die Frage, ob sich Thomas Zylla bei den Stadtverordneten um eine Wiederwahl bewirbt oder wir die Stelle neu ausschreiben. Schließlich wurde unser Baudezernent erneut gewählt“, zeigt sich der Bürgermeister erleichtert. Schwieriger war es schon, einen Nachfolger für Ines Jesse zu finden. Die Beigeordnete war letztes Jahr vom Land Brandenburg als Staatssekretärin ins Infrastrukturministerium „abgeworben“ worden. Nun musste jemand gefunden werden, der „gut mit Menschen kann“ und gleichzeitig juristisch beschlagen ist. Denn das Aufgaben­gebiet, das es zu leiten gilt, beinhaltet unter anderem das Schul- und das Bürgeramt, Kultur, Jugend und Sport sowie die Ordnungsverwaltung. Nach Sichtung von 31 Bewerbungen, die von einer unabhängigen Personalagentur „vorsortiert“ wurden, konnte schließlich Luise Herbst als neue Dezernentin gewählt werden. Die Volljuristin wohnt in Falkensee und hat Berufserfahrung bei einer Beratungsfirma, die kommunale Unternehmen betreut, gesammelt. Damit ist in Falkensee die „Führungsmannschaft“ komplett. Selbiges gilt allerdings nicht ganz für die Räumlichkeiten. Nach den Dachproblemen im Rathausgebäude stehen jetzt Baugerüste am Nebenhaus. „Hier soll endlich ein Aufzug für einen barrierefreien Zugang zu beiden Bauten sorgen. Platzprobleme gibt es im Hof, bedingt durch Fundfahrräder, die wie eine Lawine über die Stadt hereinbrechen: Waren es 2015 noch 110 Fahrräder und ein Mofa verdoppelte sich die Zahl ein Jahr später fast auf 213. Sogar ein Rollator war darunter. „Wir haben eine Aufbewahrungspflicht von einem halben Jahr. Komisch, dass so wenige ihre Zweiräder wiederhaben wollen“, staunt Heiko Müller. Wer sein Rad oder andere Sachen vermisst, kann beim städtischen Fundbüro im Ordnungsamt nachfragen.

Sicherheit und Harmonie
Ordnung und Sicherheit spielen für den begeisterten Rockmusiker mit eigener Band eine immer größere Rolle. So gibt es am Bahnhof eine Sicherheitspartnerschaft zwischen der Stadt, der Bundespolizei, der Landespolizei und der Deutschen Bahn AG. Am Falkenhagener See sind ebenfalls Wachleute in Aktion. Hier wirkte die Stadt mit Pollern „wildem“ Parken entgegen. Wegen Brandschutz wurde Grillen vollständig untersagt. Zudem sind „Schwarzangler“ im Visier. Sogar das Baden ist per Verbotsschild untersagt. Das bedauert der lebensfreudige Bürgermeister, doch er sah keine andere Wahl: „Der Strand ist unbewacht, dennoch wären wir als Stadt für Schäden haftbar, wenn wir Baden erlauben würden.“

Gute Verbindung
Falkensee grenzt an Berlin, da gibt es dank Mauerfall wieder einen regen „Grenzverkehr“. Der war mit den Jahren zunehmend durch Staus am Kreisverkehr und in der Spandauer Straße gebremst. Momentan ist das Nadelöhr noch dünner, doch die Bau­arbeiten am erweiterten Kreuzungsbereich sind in den letzten Zügen. Dann wird, gefördert durch den Ausbau der Spandauer Straße mit eigener Fahrradtrasse, die „Völkerverständigung“ zwischen den beiden Bundes­ländern zumindest an dieser Stelle endlich so reibungslos auf der Straße sein, wie es „in den Köpfen“ längst der Fall ist. Selbst auf der Schiene gibt es Hoffnung: Die Frage der Verbesserung der Bahn-Anbindung von Falkensee ist, so der Bürgermeister, bei der Landesregierung ganz oben auf die Prioritätenliste gerückt.

Kaltes oder warmes Wasser?
Wie es aussieht, rudert Falkensee dem Traum vom eigenen Hallenbad weiter entgegen. So steht mittler­weile als Standort ein Areal am Bahnhof Seegefeld fest. Gerade läuft ein europaweites Ausschreibungsverfahren für ein Architekturbüro. „Herzstück des Bads wird eine 25-Meter-Bahn sein. Weitere Ausstattungsmerkmale müssen von den Architekten geprüft werden“, gibt Heiko Müller Einblick. Die große Frage ist, was dann aus dem ebenfalls städtischen Waldbad wird, das vor gar nicht so langer Zeit liebevoll saniert wurde. „Fürs Hallenbad wäre der Standort dort verkehrsmäßig zu abgelegen. Ob die Stadtverordneten ins kalte Wasser springen und sich den Unterhalt von gleich zwei Bädern leisten wollen, bleibt abzuwarten“, sinniert der Bürgermeister. Schließlich fordern die Jüngeren, die neben den Senioren vor allem immer wieder fürs Hallenbad eintraten, an vielen anderen Stellen ebenfalls ihr Recht. So fehlen schon wieder Kita-Plätze. Für die neue Turnhalle am Vicco-von-Bülow-Gymnasium beginnen endlich die Baumaßnahmen. „Das Problem hier war, dass sich die Vorschriften für die Entsorgung von Bauschutt vehement verschärft haben. Beim Abriss der alten Halle musste alles auf Farben und andere schädliche Stoffe untersucht und sortiert werden. Anschließend ging es darum, dafür zertifizierte Deponien zu finden. Dafür ist der Bauherr zuständig und kann diese Verantwortung nicht an beauftragte Firmen abgeben“, schildert Heiko Müller, wie die Konsequenz aus den vielen Müllskandalen selbst eine relativ große Stadt wie Falkensee ausbremsen kann.

Geduld ist gefragt
Ebenfalls etwas zu langsam geht es mit der Fertigstellung der neuen Feuer- und Rettungswache dem Ende zu. „Als Stadt freut man sich natürlich über Vollbeschäftigung. Als Auftraggeber leidet man aber heutzutage darunter. Wir mussten mehrere Ausschreibungen für den Bau wieder­holen, weil die Handwerks­firmen so ausgebucht waren, dass sie den Auftrag nicht erfüllen konnten“, schildert der Bürgermeister, dass selbst derartig erfreuliche Entwicklungen Schatten­seiten haben können. Dadurch entsteht in der Verwaltung immer mehr Aufwand. Deshalb hat man sich entschlossen, das Bauamt mit einem eigenen Leiter zu besetzen. Doch dabei hat Heiko Müller feststellen müssen, dass es gar nicht so einfach ist auf die Folgen des Personalmangels im privatwirtschaft­lichen Bereich zu reagieren. „Leider haben wir bisher große Schwierigkeiten, diese Stelle zu besetzen. Wir konkurrieren mit der freien Wirtschaft, wo qualifizierte Kräfte höher bezahlt werden können!“