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Weltweit gefragtes Wissen um historische Technik

Dampfmaschinen
Norbert Steinemer
Telefon:0 33 22/23 62 87
Website:www.dampffreunde-berlin-brandenburg.de

Ingenieur macht Dampf

Stand: Juni 2017

Falkensee macht Dampf und ist damit in Kennerkreisen international gefragt! Hier, am Ende einer Sackgasse, entstehen Pläne, die weltweit verwendet werden!

Dafür sorgt Norbert Steinemer. Der passionierte Ingenieur mit langer Berufserfahrung in der Konstruktionsabteilung des Weltkonzerns Siemens in Berlin-Spandau hat sich zur Lebensaufgabe gemacht, alte Technik „neu zu erfinden“. Seine Konstruktionen sind derart genial, dass die Unterlagen dafür von Gleichgesinnten weltweit angefragt werden!

Hubschrauber-Höhenflüge
Nachdem er erst als Jugend­licher, der bereits mit 17 Jahren Auto fahren durfte, seinen Fiat 500 zerlegt und wieder zusammengebaut hat, verschrieb er sich später der Hubschraubertechnik. Seine kiloschweren und meterlangen Modelle flogen wie die Großen und erreichten eine sagenhafte Höhe von bis zu 1 000 Metern. „Nachdem die Industrie dieses Segment für sich entdeckte, machten Einzelanfertigungen keinen Sinn mehr“, erinnert sich der mittlerweile 76-jährige Techniker ans Ende seiner Höhenflüge.

Mit Dampf voran
Es folgte der Umschwung zu Dampfmaschinen, wie sie in Fahrzeugen aller Art verwendet wurden. Dazu gehören Feldbahnlokomotiven. „Die wurden früher im Bergbau, auf Industriegeländen oder in Hafenanlagen eingesetzt“, gibt Norbert Steinemer Einblick. „Per Dampf betriebene Autos waren in den USA bis etwa 1930 führend. Heute entdeckt man Elektromobilität neu, die es bereits vor hundert Jahren gab. Im Prinzip hätten mit Dampf betriebene Fahrzeuge immer noch Vorteile, nur ist lästig, dass man sie erst mal vorheizen muss“, sinniert der Techniker.

Museum im Keller
Bei ihm im Keller gibt es Einblicke in die Technikgeschichte, wie sie sonst bestenfalls gut ausgestattete Museen bieten können. Hier finden sich Dampf-Lkw, und -Pkw sowie Industrie­lokomotiven, die alle ihren „großen“ Originalen bis aufs Haar gleichen. „Es sind Nachbauten, meist im Maßstab 1:4. Fast jedes einzelne Teil habe ich persönlich entworfen. Dann habe ich sie aus groben Werkstücken wie Metallblöcken an der Drehbank in Handarbeit her­gestellt“, verblüfft Norbert Steinemer. „Man muss ungefähr ein Jahr an Produktionszeit rechnen.“

Pläne für die Welt
Dabei steht die Produktion erst am Ende einer langen Kette. Der Falkenseer nimmt vorher die Originale mit Technikerblick optisch auseinander und fertig detaillierte Konstruktionspläne als Grundlage für Rekonstruktionen. Damit ist er weltweit gefragt, denn das macht dem ehemaligen Konstrukteur von Siemens-Leitungsschaltern keiner so ohne Weiteres nach! Ehrensache ist, dass seine Kreationen wie die großen Originale in allen Teilen uneingeschränkt funktionieren.

Schwere Kolosse
Dabei bringen sie teilweise ein erstaunliches Gewicht auf die Waage: Die Falkensee-Lok als Prunkstück wiegt fast eine halbe Tonne! Ihre Dampfmaschine wird ganz wie in der „guten alten Zeit“ mit Anthrazit betrieben. Allerdings ist sie vergleichsweise sparsam. Sie kommt mit etwa einem Kilo Steinkohle je Stunde aus. Um die empfindliche Technik vor Kalkablagerungen zu schützen, sammelt Steinemer das Wasser für den Dampfkessel in einer Regenwasserzisterne. „Dies ist leicht sauer und damit ideal“, klärt er auf. Spontan losfahren geht aber leider nicht. „Die Vorheizzeit bis der Dampfdruck aufgebaut ist, beträgt 30 bis 45 Minuten“, lädt er ein, das Halbdunkel des Kellers mit einem Werkraum und dem Gesellschaftszimmer für den Verein „Dampffreunde Berlin-Brandenburg“ gegen den von Ehefrau Heide Steinemer liebevoll gestalteten Garten einzutauschen. Dort wird man auf einen Schlag in eine zauberhafte Märchenwelt versetzt. Diese ist von Gleisen durchzogen, die aus gleich drei Schienen bestehen. „Wir haben insgesamt 400 Meter Bahnstrecke verlegt. Um zwei Spurweiten zu ermöglichen, gibt es eine Zusatzschiene.“

Rasante Fahrt
Die Bahnlinie schlängelt sich mehrmals durch das Blütenparadies und führt rund ums Eigenheim am Ende der Eulenstraße. Wer nun glaubt, es geht hier spielerisch gemächlich zu, der wird bei der Probefahrt schnell eines anderen belehrt. Die Lok zeigt gerne, was in ihr steckt, der Fahrtwind mildert wohl­tuend die sich aufbauende Sommerhitze ab. Dann geht es in relativ enge Kurven. Hier heißt es aufpassen, dass man nicht das Gleichgewicht auf dem speziell gestalteten Personenwagen verliert. „Auf keinen Fall herumhampeln“, warnt Heide Steinemer, die das Hobby ihres Mannes gerne teilt. „Ich habe ihn so kennengelernt!“

30 Jahre unter Dampf
Steinemers Verein kann dieses Jahr das 30. Jubiläum feiern. Ihm hat Falkensee zu verdanken, dass es in Fachkreisen internationale Bedeutung hat. Denn Steinemers wurden 1995 auf der Suche nach einem Grundstück mit der Möglichkeit, eine Gleisanlage aufzubauen, in der Eulenstraße fündig. Nun lädt das Ehepaar von April bis Oktober jeden vierten Samstag im Monat ab 14 Uhr zur empfehlenswerten Dampfeisenbahnfahrt in ihren Garten ein und verwöhnt dabei mit Kaffee, Kuchen und Grillspezialitäten. Zudem dient das Grundstück als Vereinstreffpunkt. Trotz der attraktiven Technik haben die Modellbauer aus Falkensee große Schwierigkeiten, neue Interessenten zu finden: „Viele können sich gar nicht mehr vorstellen, per Hand Werkstücke zu drehen. Sie setzen dafür lieber einen modernen 3D-Drucker ein“, ist Dampf-Fachmann Steinemer etwas in Sorge, dass seinem Verein die Puste ausgeht. Dabei ist er das vitale Beispiel dafür, wie so ein Hobby fit hält, schließlich würde ihm niemand sein Alter von mittlerweile 76 Jahren ansehen!