Willkommen in Falkensee
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Wo tiefe Töne Mangelware sind: Kontrabass dringend gesucht!

Dirigent
Dr. Raviv Herbst
Telefon:0 33 22/42 63 77
Website:www.havelsymphoniker.de

Mit Gefühl am Taktstock

Stand: Juni 2017

Neun Monate in freudiger Erwartung, dann endlich kommt der große Tag! Eine Familie in Falkensee hat diese Zeit besonders intensiv in Erinnerung. Denn das „Baby“, das nach neun Monaten geboren wurde, hatte es in sich!

Es brachte sichtbar mehr Gewicht auf die Waagschale als man es sonst kennt. Zudem sorgte es von Anfang an für sehr unterschiedliche Töne. Denn diese Neugeburt war ein spielfähiges Orchester aus damals 17 Personen!

Einziges Klassik-Orchester
„Ich habe in meiner Wahl­heimat Falkensee immer wieder ambitionierte Freizeit-Musiker entdeckt. Dadurch kam mir die Idee, für diese engagierten Personen ein Orchester ins Leben zu rufen. Es dauerte genau neun Monate von der Idee bis zur Realisierung“, berichtet Dirigent Dr. Raviv Herbst. Er schuf mit den „Havelsymphonikern“ das einzige Klassik-Orchester in der Region. Es bekam 2013 „Verstärkung“ durch Zusammenschluss mit dem „Sinfonie-Orchester Spandau“.

Mitten in Falkensee
Nach nur fünf Jahren seit der Gründung sind die Musiker nun mitten in Falkensee angelangt. „Seit Anfang 2017 proben wir in den Räumen der Kantschule. 2018 hoffen wir, ins neue Gebäude der Musikschule wechseln zu können“, kündigt der studierte 49-jährige Dirigent und Musiker aus Leidenschaft an. Mittlerweile treffen sich unter seinem Taktstock bereits 28 ambitionierte Freizeitmusiker einmal in der Woche zu Proben, darunter etwa die Hälfte Frauen. Jüngste ist die „zweite Flötistin“ mit 24 Jahren, nachdem ein 16-jähriger Hoffnungsträger aus Falkensee einen Auslandsaufenthalt absolviert. „Unser ältestes Mitglied ist 86 Jahre und spielt Bratsche“, gibt Dr. Herbst Einblick. Das Repertoire stützt sich auf Klassik. Denn dies ist die große Vorliebe des aus Israel stammenden Falkenseers: „Keine andere Musikrichtung ist derart komplex und beinhaltet in sich so viele Stilrichtungen.“

Rauer Wind in Nahost
Dr. Raviv Herbst ist, obwohl nicht aus einer Musikerfamilie stammend, bereits als Jugendlicher wild entschlossen gewesen, darin seine Lebenserfüllung zu finden. „Ich wusste schon als 13-Jähriger, dass für mich kein anderer Beruf in Frage kommt.“ Bei einem Auslandsaufenthalt in Deutschland wurde der angehende Pianist in Hannover mit gerade mal 16 Jahren von einem Professor für die akademische Laufbahn an seiner Hochschule entdeckt. „Ich wusste, diese Chance kommt nie mehr. Meine Eltern fielen aus allen Wolken, als ich ihnen eröffnete, dass ich nicht wie geplant zurückkomme.“ Nach Ableistung des in Israel obligatorischen Wehrdienstes zog es ihn gleich wieder in seine neu-entdeckte Wahl­heimat: „Israel ist ein sehr raues Land und ein schwieriges Pflaster für einen kreativen Musiker. Die Menschen haben täglich zu tun, den Alltag zu bewältigen. Zudem sind die Studien- ­­gebühren sehr hoch. Ich hätte mir das nie leisten können.“

Flügel zugeklappt
In Berlin erkannte man auf der renommierten „Hochschule für Musik Hanns Eisler“ auf Anhieb das Potenzial, das in dem passionierten Pianisten schlummert. Doch nach einigen Semestern fühlte Raviv Herbst seine eigenen Grenzen. „Ich habe den Flügel zugeklappt, bin über den Hof gegangen. Ich habe mich bei der Abteilung für Dirigieren angemeldet und die Aufnahmeprüfung bestanden. Damit hatte ich zwei Hauptfächer, was kaum jemand macht. Es war tatsächlich immens anstrengend. Doch ich war mir sicher, dass ich als Dirigent besser der Musik dienen kann!“

Heißer Taktstock
Zufälligerweise bekam Raviv Herbst den Auftrag, sich um eine neue Kommilitonin in seiner Klasse zu kümmern. Das tat er so hingebungsvoll, dass die Bemühungen bald sichtbare Früchte zeigten. Luise Herbst und Dr. Raviv Herbst sind seit 17 Jahren verheiratet. Vom Glück zeugen Tochter Romy Herbst, 14, und Sohn Yaron Herbst, 8. Luise Herbst wurde aber nicht Musikerin sondern Juristin.

Dezernentin mit Taktgefühl
Dem verdankt nun Falkensee, dass in einem sehr sensiblen Teil der Verwaltung der gute Ton zuhause ist und der behördliche Taktstock mit viel Fingerspitzengefühl geschwungen wird. Denn Luise Herbst wurde im Herbst 2016 zur neuen Beigeordneten und damit zur Stellvertreterin von Bürgermeister Heiko Müller gewählt. In ihren Verantwortungs­bereich fällt unter anderem das Bürgeramt. Dies ist bekanntlich die wichtigste Schaltstelle zwischen den Falkenseern und ihrer Rathaus-Verwaltung. Die Rechtsanwältin und Volljuristin folgt auf Ines Jesse, die zur Staatssekretärin im Brandenburger Ministerium für Infrastruktur und Landes­planung aufgestiegen ist.

Sanfte Führung
Die neue Vizebürgermeisterin von Falkensee teilt mit ihrem Mann den Ansatz, dass es für die Person an der Spitze darum geht, „die verschiedenen Individuen so zusammen zu bringen, dass jeder Spaß daran hat, im Verbund ein möglichst perfektes Ganzes zu schaffen“. Dr. Raviv Herbst macht dies natürlich am liebsten an der Spitze seiner „Havelsymphoniker“, denen übrigens ausgerechnet die tiefen Töne fehlen: „Es ist heute kaum möglich, einen Kontrabass-Spieler zu bekommen. Wir können aber schlecht einen E-Bass ins Orchester integrieren“, schmunzelt er. Den könnte er sich bequem beim Bürgermeister aus­leihen, hat dieser doch als begeisterter Rock-Musiker eine eigene Band. Falkensee kann jetzt darauf verweisen, gleich zwei Personen mit Musikerblut in den Adern an der Spitze zu haben und ist zudem die einzige Stadt im Havelland mit eigenem Symphonieorchester! „Wir freuen uns immer über neue musikbegeisterte Mitspieler, Bratschen und Geigen sind sehr gesucht“, lädt Dr. Herbst ein.