Willkommen in Falkensee
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Boomstadt vor den Toren Berlins

Bürgermeister
Heiko Müller

Bewegung für Falkensee

Stand: Juni 2018

Märchen haben viele Facetten. Dies zeigt sich aktuell bei näherer Betrachtung von zwei Kunstwerken, die die Kita an der Holbeinstraße zieren.

Darüber gibt es in Falkensee jetzt eine teilweise kontroverse Diskussion. Es geht um die Frage, ob die Reliefs im geplanten Neubau wieder erscheinen sollen. Oder sind die Darstellungen aus DDR-Zeiten heute nicht mehr zeitgemäß?

Anstößiges Märchen?
Die Kunstwerke nehmen das Märchen „Die Abenteuer des Burattino oder Das goldene Schlüsselchen“ zum Thema. Es wurde von Graf Alexej Nikolajewitsch Tolstoi 1936 in Anlehnung an den italienischen „Pinocchio“ geschaffen. Die Figur des „Burattino“ selbst ist viel älter, sie geht auf die „Commedia dell’arte“ zurück, die ein Vorläufer des heutigen modernen Theaters ist. Entsprechend geizt das Relief nicht mit Abbildungen, die etwa zeigen, was mit bösen Kindern geschieht.
„Wahrscheinlich werden die Tafeln gesichert“, umschreibt Bürgermeister Heiko Müller, dass die Kunstwerke ein­gemottet verborgen von der Öffentlichkeit auf bessere Zeiten warten müssen.

Kindersegen
Der Neubau ist nur ein Beispiel dafür, dass die Stadt nach der gerade erfolgten Sanierung der Kita- und Schullandschaft schon wieder mit diesem Thema beschäftigt ist. Die „Gartenstadt“ vor den Toren Berlins wächst fast täglich. Das bedeutet mehr Kinder und damit die Nach­frage nach entsprechenden Betreuungsplätzen. Doch Neubauten durch die öffentliche Hand sind eine komplizierte Sache: „Hier sind europaweite Ausschreibungen vorgesehen, das kostet Zeit. Zudem haben wir momentan das Problem, dass viele Betriebe, gerade in der Baubranche, überlastet sind“, fasst Bürgermeister Heiko Müller das Problem zusammen. Deshalb soll zusätzlich zur neuen Kita am Rohrbecker Weg mit 115 Plätzen die in einer früheren Villa unter­gebrachte Kita in der Böcklinstraße doch weiter betrieben werden.

Platz für Sport
Kinder wollen sich bewegen, deshalb sind Sporthallen ein weiteres wichtiges Thema in Falkensee. Eine davon ist gerade am Vicco-von-Bülow-Gymnasium in Entstehung. Eine weitere soll an der Oberschule am Poetenweg gebaut werden: „Diese soll von den Vereinen mit genutzt werden können. Wir haben hier die ideale Situation, dass keine Nachbarn belästigt werden, da hier nur geschützte Biotope angrenzen, die nicht bebaubar sind“, beschreibt der Bürgermeister den Standort in Finkenkrug, der nur einige Steinwürfe von seinem eigenen Grundstück entfernt liegt. Die Diskussion um ein Hallenbad geht in eine entscheidende Phase. In der Bürgerbefragung soll ein Stimmungsbild der Einwohnerschaft eine wichtige Empfehlung für die Stadtverordnetenversammlung geben, die letztlich über den Bau entscheidet.

Bauboom
Wie rasant sich Falkensee entwickelt, zeigt sich in der Region um den Bahnhof, wo neue Wohn- und Geschäftshäuser in den Horizont gewachsen sind. Sogar das Gelände der alten Stadthalle, die abgerissen werden soll, ging an einen privaten Investor. „Dieser hat sich bereit erklärt, per Architektenwettbewerb eine attraktive Lösung zu finden. Der Gewinner­entwurf wird zur Realisierung kommen“, lobt Heiko Müller die großen Bemühungen zur Weiter­entwicklung im Kernbereich von Seegefeld als einem historischen Herz der Stadt.
Daneben wird selbst in Wohngebieten wie in der Akazienstraße schon bald viel Bewegung zu verzeichnen sein.
Noch dieses Jahr soll ein Gebäude mit 144 Wohnungen bezugsfertig sein. Das Jahr darauf werden in dem kleinen Quartier weitere 200 Wohnungen dazukommen.

Pendler im Visier
Dies bedeutet für die Stadt, dass die Möglichkeiten für Pendler, was ja die meisten neuen Falkenseer sind, erheblich verbessert werden müssen. So schwärmt der Bürgermeister von neuen Fahrradständern am Bahnhof Falkensee, die durch eine raffinierte Doppelstock-Technik zwei Zweiräder aufnehmen sollen. „Zudem müssen wir mehr Stellplätze für Autos schaffen, eventuell durch ein Parkhaus“, kündigt der Bürgermeister an, der gerade sein rundes zehnjähriges Jubiläum als Rathauschef feiern konnte.

S-Bahn in Sicht?
Er freut sich sehr, dass es in der gemeinsamen Expertengruppe aus Bahn, Land Brandenburg und Berlin zu einem Stimmungswandel kam: „Bisher wurde diskutiert, ob entweder die S-Bahn wie früher nach Falkensee weitergeführt oder der Regional­express ausgeweitet werden sollte. Jetzt hat man erkannt, dass der Bedarf so groß ist, dass beide Verkehrsmittel nötig sind. Für das neue S-Bahn-Gleis gibt es optimale Voraussetzungen, da die Brückenbauwerke und Unterführungen bereits darauf ausgelegt sind. Das gilt vor allem für den Bahnhof Falkensee und in Finkenkrug.“
Etwas schwieriger ist die Situation am Haltepunkt Seegefeld, der auf Betreiben der anliegenden Betriebe eingerichtet wurde. „Damals hatte niemand an ein derartiges Verkehrsaufkommen gedacht.“

Radler oder Bäume?
Wenn die Pendler mal nicht pendeln, wollen sie sich in ihrer Stadt bewegen. Doch dies ist oftmals gar nicht so einfach. Idealerweise geschieht dies per Straße für die Autos, die von einem Geh- und Radweg flankiert wird. Doch was tun, wenn neue Radfahrwege ausgerechnet mit dem Schutz­bedürfnis für das Stadtgrün kollidieren? „Ein gutes Beispiel ist die Friedrich Engels Straße. Hier wäre an sich ausreichend Platz für alle Verkehrsteilnehmer. Allerdings müssten dafür sehr viele Alleebäume gefällt werden. Das wiederum wollten die meisten Stadtverordneten nicht“, gibt Heiko Müller Einblick.

Barrierefreie Straßen
Straßenbau ist in Falkensee weiterhin ein wichtiges Anliegen: „Hier geht es um Pflasterstraßen, die einen hohen Geräuschpegel verursachen und schlecht zu befahren sind. Andererseits tragen sie zum typischen Bild von Falkensee bei. Deshalb haben wir dem Ausbau der Sandpisten erstmal Vorrang gegeben. Diese sind meist Anwohnerstraßen, die nach stärkeren Regengüssen zu Schlammwüsten werden. Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer haben dann wenig Chancen, gut durchzukommen!“

Sprechender Lift
Damit macht Heiko Müller darauf aufmerksam, dass „Barrierefreiheit“ ein weiteres wichtiges Thema auf seiner Prioritätenliste ist. Deshalb erhielt das Rathaus einen neuen behindertengerechten Zugang per Lift, der freundlich per Sprachcomputer über alles was er macht oder wo er ist, informiert.
Der Anbau der Stadtbibliothek auf dem Campusplatz soll ebenso barrierefrei werden. Die Bücherei ist im Gebäude der früheren Schule, in der Heiko Müller einst selbst lernte. „Weil Toiletten fehlten, hat man daran einen Anbau gemacht, der mittlerweile Teil der Bibliothek ist. Dieser ist in der Höhe um eineinhalb Meter versetzt. Damit ist keine Barrierefreiheit gegeben. Wir haben uns nun für den Abriss und Neubau entschieden, weil dies die kostengünstigste Möglichkeit ist“, erläutert der Bürgermeister. Dass er sich selbst schon mal auf ungewöhnliche Weise bewegen kann, zeigte er in der neuen Feuerwache: Ganz wie die Kameraden kam er per „Stange“ vom Obergeschoss zu den Einsatzwagen!