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Gartenstadt mit Fahrrad-Problemen – Spannung ums Schwimmbad

Bürgermeister
Heiko Müller

Abrissbirne im Dauerstress

Stand: Juni 2019

Ausgerechnet die Gartenstadt im Grünen mit ihrer vielfach ökologisch ausgerichteten Bevölkerung steht vor einem unlösbaren Dilemma. Fast überall stellt sich die Frage: Radwege oder Bäume?

Kurioserweise hat nämlich ausgerechnet Falkensee kaum Radwege, dafür aber viele sehr stark befahrene Straßen. Es wäre also überaus wünschenswert, sichere Wege für die Freunde des umweltfreund­lichen Zweirads zu schaffen.

Radler oder Bäume?
Dafür sind die Straßen aber fast überall zu eng. Deshalb stellt sich immer die Frage, ob man Alleebäume, die andererseits wichtige Sauerstoffspender sind, zugunsten der Radwege absägen will. „Hier gibt es immer ein Ringen um Kompromisse. Über die Friedrich Engels Allee beispiels­weise wurde zwei Jahre in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert. Jetzt hat man sich für den ursprünglichen Vorschlag entschieden, nach dem auf der südlichen Seite ein kombinierter Rad-Fußweg entsteht. Gegenüber wird eine Radfahrspur abgetrennt, auf der Autos aber ebenfalls fahren können“, beschreibt Bürgermeister Heiko Müller.

Richtig informiert
Die Vorbereitungen für viele dieser Entscheidungen werden jetzt im Nachbargebäude des Rathauses getroffen. „Oben ist der Hochbau, unten der Tiefbau angesiedelt“, erklärt der Verwaltungschef schmunzelnd die einleuchtende Raumaufteilung. „Die neuen Büros sind in einem historischen Bauernhaus untergebracht“, erläutert er, warum sich Computer teilweise hinter freigelegten massiven Holz­balken verstecken.
Damit man mehr über die geschichtlichen Hintergründe der Stadt erfährt, werden in den nächsten Jahren Informationstafeln mit entsprechenden erläuternden Texten im Stadtgebiet aufgestellt. Eine davon ist gegenüber dem Rathaus zu finden. Hier sind weitreichende Veränderungen geplant.

Neues Rathaus
„Die Schuppen im Hinterhof werden abgerissen und einem neuen Verwaltungsgebäude Platz machen, da die wachsende Stadt dringend mehr Raum für die Verwaltung benötigt. Baubeginn soll Ende dieses Jahres oder Anfang 2020 sein“, gibt Heiko Müller einen Ausblick in die nähere Zukunft. „Wenn das neue Haus bezugsfertig ist, wird erstmal das bisherige Rathaus geräumt und saniert.“

Schwimmt das Bad davon?
Für das neue Hallenbad beim Haltepunkt Seegefeld wurden entscheidende Weichen gestellt. „Bei unserer Bürger­befragung gab es eine sehr hohe Beteiligung von 59 Prozent. Dabei waren 78 Prozent für das neue Bad. Im Herbst wird das Gelände von Altlasten befreit. Wir warten jetzt auf die Baugenehmigung und das Betriebskonzept. Das letzte Wort für ein Hallenbad hat die neue Stadtverordnetenversammlung“, beschreibt Falkensees Bürgermeister das weitere Verfahren.

Landtag im Falkensee-Fieber
Dies hat übrigens hohe Wellen geschlagen. „Die Kommunalaufsicht hatte gegen die Bürgerbefragung Bedenken. In diesem Thema schaltete sich der Landtag ein, um dieses Plus an Demokratie zu erleichtern. Leider ist er mit dem guten Willen etwas übers Ziel hinausgeschossen. Nun ist alles so kompliziert geworden, dass kleinere Befragungen wie wir sie etwa zur Namen­s­gebung für die Stadthalle gemacht haben, kaum mehr möglich sind.“

Unangenehme Folgen?
Über eine andere Entscheidung des Gremiums, dem er selbst angehört hatte, bevor er Bürgermeister von Falkensee wurde, ist Heiko Müller ebenfalls wenig glücklich: „Die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge wird zu vielen Problemen führen. Stichtag ist ja 1. Januar 2019. Wie soll ich den Leuten die noch bezahlen müssen, weil die entsprechenden Beschlüsse davor liegen, dies erklären? Momentan ‚schwimmt’ das Land gerade in Geld. Was passiert, wenn dies nicht mehr so ist und wieder rigoros gespart wird? Dann werden uns andere Zuschüsse gekappt, so dass die Mittel für sogenannte freiwillige Aufgaben reduziert werden. Das trifft die Kommunen im Nerv. Die Bürger sind direkt betroffen, wenn bei Kultur, Sport, Vereinen und öffentlichem Leben plötzlich gespart werden muss“, blickt Heiko Müller in die Zukunft.

Aus für Barrieren
Schon jetzt sind die Kommunen durch immer wieder neue Gesetze zu hohen Investitionen gezwungen.
So wird gerade die Kita „Burattino“ in der Holbeinstraße abgerissen, weil sie nicht mehr dem heutigen Baurecht entspricht: „Wir haben Keller­räume, die für Bewegung und Sport genutzt wurden. Allerdings ist Raumhöhe nach den heutigen Anforderungen zu niedrig. Außerdem wird Barrierefreiheit verlangt.“
Das klingt durchaus plausibel, schließlich soll niemand, nur weil er auf den Rollstuhl angewiesen ist, benachteiligt sein. Für die vielen kleinen Falkenseer wird also in jeder Hinsicht eine Menge getan.

Baufieber im Kernbereich
Dass der traditionsreiche „Bayerische Hof“ beim Bahnhof das gleiche Schicksal erleidet, führt Heiko Müller ebenfalls auf fehlende Barrierefreiheit mit zurück.
„Dadurch hat das Hotel wohl an Attraktivität eingebüßt. Viele erinnern sich noch an die Kegelbahn, die es dort gab. Die Besitzer haben das Haus samt Nachbargrundstück an einen Investor verkauft, der hier ein Wohn- und Geschäftshaus baut.“
Ähnliches ist gegenüber vom Bahnhof passiert. Hier findet sich jetzt das Jobcenter direkt neben einem Eiscafé, so dass man sich den oft ungeliebten Besuch zumindest versüßen kann.
Die Bahnhofstraße selbst erfuhr ebenfalls weitere Belebung durch entsprechende Bauten. Allerdings ist es fraglich, ob es tatsächlich so attraktiv ist, an einer der Hauptschlagadern der Stadt oder gegenüber vom Bahnhof zu wohnen?
Zumindest der Dauerstau auf der Bahnhofstraße sollte bald weniger dramatisch sein. Dafür wird ein Kreisverkehr sorgen, für den das von der Stadt erworbene Gebäude Bahnhofstraße 80 weichen muss.
„Wir hatten es als Zwischennutzung der Willkommensinitiative überlassen, die hier einen Treff eingerichtet hat. Sie sind nun vier Hausnummern weitergezogen“, erklärt Heiko Müller.

Kraftvoll ans Werk
Der alten Stadthalle, für die Heiko Müller in seiner Jugendzeit noch selbst zu Schaufel und Schubkarre gegriffen hatte, droht ebenfalls die Abrissbirne. Dort soll ein weiteres Wohn- und Geschäftshaus entstehen.
Um zu „Muckis“ zu kommen, muss man konsequent üben. Das kann die Jugend von Falkensee in der neuen Sporthalle vom Vicco-von-Bülow-Gymnasium. Zur Besichtigung hat der Bürgermeister sogar leuchtend-blaue Turnschuhe eingepackt. Dabei gehört er doch der SPD an, für die Rot die Erkennungsfarbe ist!
Für den neuen Sportplatz am Lise-Meitner-Gymnasium hingegen benötigt man eher festes Schuhwerk, denn hier geben die Bauarbeiter noch den Ton an.
„Was lange währte, wird endlich gut. Nachdem über das Projekt 15 Jahre diskutiert wurde, steht ab dem neuen Schuljahr der langersehnte multifunktionale Sportplatz der Schule zur Verfügung“, zeigt der Bürgermeister auf.

Fahrrad-Sorgen
Dabei ist Geduld eine der Eigenschaften, die eher weniger zu den Stärken von Heiko Müller gehören.
Der „Turbo-Bürgermeister“ hat sich von Anfang an als dynamischer Problemlöser verstanden.
Doch ausgerechnet Fahrräder machen ihm mächtig zu schaffen.
Diesmal sind es nicht die fehlenden Wege für die emsigen Pedalritter, sondern deren rätselhafte Hinterlassenschaften: „Kurioserweise werden immer öfter Fahrräder, die beispielsweise am Bahnhof geparkt sind, nicht mehr abgeholt. Das bietet keinen schönen Anblick. Es gibt hier aber, anders als bei Autos, keine gesetz­liche Regelung. Stehen lassen ist keine Alternative, daher werden die Räder entsprechend gekennzeichnet und nach Ablauf einer Frist dem Fundbüro übergeben.“